Mittelstandsfreundliche Kommunen 2010
Hering: Gute Ideen für gute Kontakte
Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering hat die Preisträger des Wettbewerbs „Mittelstandsfreundliche Kommunen 2010“ ausgezeichnet. „Der Wettbewerb bestätigt die Erfahrung, dass gerade in Rheinland-Pfalz viele positive Beispiele des wirtschaftsorientierten Verwaltungshandelns von engagierten Vertretern der Kommunen zu finden sind“, sagte der Minister. Bei der Gestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen spielten die Kommunen eine, wenn nicht sogar die wichtigste, Schlüsselrolle: Sie pflegten den direkten Umgang mit den Unternehmen vor Ort.Ein wichtiges Thema sind Erleichterungen zur Bürokratiebewältigung, denen sich die Landesregierung Rheinland-Pfalz im Rahmen der Initiative „Bürokratieabbau konkret“ frühzeitig gewidmet hat. Ein wichtiges Signal dabei sind die Servicegarantien, wie sie viele Kommunen bereits etablieren. „Auch auf Landesebene haben wir im Rahmen der Beratungsprogramme bei der Investitions- und Strukturbank (ISB) GmbH kürzlich eine Bearbeitungsgarantie von zehn Arbeitstagen eingeführt“, so Hering. Die schrittweise Ausweitung der Servicegarantie auch auf andere Programme der ISB sei geplant.
Was behördliche Genehmigungen angeht, können die Unternehmen seit Januar in Rheinland-Pfalz eine neue Einrichtung als Unterstützung in Anspruch nehmen: den Einheitlichen Ansprechpartner (EAP), angesiedelt bei den Struktur- und Genehmigungsdirektionen Nord und Süd. Aufgabe des EAP ist es, Unternehmen aus dem In- und Ausland über alle Voraussetzungen zu informieren, die für die Aufnahme der Tätigkeit im betreffenden Land erforderlich sind sowie aktive Unterstützung zu bieten, um die erforderlichen behördlichen Genehmigungen und Erlaubnisse zu erhalten.
Aber auch auf kommunaler Ebene gibt es eine Reihe von solchen Angeboten, die mit dem EAP sinnvoll ergänzt werden. Das Wirtschaftsministerium habe daher beim Wettbewerb „Mittelstandsfreundliche Kommunen“ 2010 das Thema „Kommunaler Mittelstandslotse“ im weitesten Sinne aufgegriffen, um Beispiele guter kommunaler Wirtschaftsförderung aufzuzeigen und weitere, verstärkte kommunale Aktivitäten auf diesem Gebiet anzuregen.
Im Rahmen des Landeswettbewerbs werden dieses Jahr erstmals zwei Arten von Auszeichnungen vergeben. Zum einen werden in bewährter Weise Kommunen ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise durch mittelstandsfreundliches Verhalten und bereits durchgeführte Maßnahmen in den Handlungsfeldern der Mittelstandsfreundlichkeit auszeichnen. Im besonderen Blickpunkt standen bei der Ausschreibung Aspekte rund um die Themen „Bestandspflege“ und „Standortmarketing“.
Zum anderen werden im Rahmen eines Ideen-Konzeptwettbewerbs 2010 erstmals Konzepte für zukünftige, neue oder ergänzende, Aktivitäten im Bereich kommunaler Beratungs-, Betreuungs- und Genehmigungsdienstleistungen bei der Ansiedlung und Bestandspflege von kleinen und mittleren Unternehmen ausgezeichnet. Diese Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von jeweils 10.000 Euro verbunden, das die Umsetzung dieser Ideenkonzepte unterstützen soll.
Aus insgesamt 21 Kommunen und zehn vorliegenden Ideen-Konzepten hat eine unabhängige Jury die Gewinner ausgewählt.
Für ihr wirtschaftsorientiertes Handeln werden fünf Kommunen ausgezeichnet. Daneben wurden drei Konzepte im Bereich kommunaler Beratungs-, Betreuungs- und Genehmigungsdienstleistungen prämiert.
Der Wettbewerb fand 2010 zum sechsten Mal statt und wird gemeinsam mit den Handwerkskammern, den Industrie- und Handelskammern, dem Landesverband der Freien Berufe, dem Landesverband Einzelhandel Rheinland-Pfalz e.V., der Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU), den kommunalen Spitzenverbänden und unter wissenschaftlicher Begleitung des Instituts für Mittelstandsökonomie Trier (inmit) durchgeführt. Diese Institutionen bildeten die Jury, in der 2010 auch wieder der Mittelstandslotse der Landesregierung mitgewirkt hat sowie erstmals das Deutsche Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer.
Aktuelles Bildmaterial zum Termin können Sie ab 17 Uhr bei der Pressestelle des Ministeriums unter pressestelle@mwkel.rlp.de anfordern. Abdruck honorarfrei. Rechte: MWVLW.
Hier die ausgezeichneten mittelstandsfreundlichen Kommunen und Ideen-Konzepte in Rheinland-Pfalz und die jeweilige Begründung der Jury-Entscheidung:
Verbandsgemeinde Wörrstadt im Landkreis Alzey-Worms
Mit der Verbandsgemeinde Wörrstadt wird ein Newcomer ausgezeichnet – gleich bei der ersten aktiven Teilnahme hat sich die Jury für eine Prämierung der Verbandsgemeinde Wörrstadt entschieden. „Hier herrscht Aufbruchstimmung, hier ist viel Dynamik drin“, so die Jury. Genau das trifft den Kern, Wirtschaftsförderung bedeutet aktiv für die Wirtschaft da zu sein, die entsprechenden Strukturen und Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln zu schaffen. Die Verbandsgemeinde Wörrstadt ist hierfür ein gutes Beispiel, für aktives mittelstandsfreundliches Handeln. Kurze Wege in der Verwaltung, ein umfassendes Betreuungs- und Serviceangebot, kompetente Hilfestellungen bei Neuansiedlungen zeichnet die Mittelstandsfreundlichkeit in der Verbandsgemeinde Wörrstadt aus. Mit dem Unternehmerforum wurde in der Verbandsgemeinde zudem ein Treffpunkt zum Erfahrungs- und Wissensaustausch geschaffen. Ein wachsender Unternehmensbestand und eine hohe Gründungsquote sind ein zahlenmäßiger Beleg für die gelebte Mittelstandsfreundlichkeit.
Kreisfreie Stadt und der Landkreis Kaiserslautern
Mit der Stadt und dem Landkreis Kaiserslautern wurde erstmals in der Wettbewerbshistorie ein interkommunales Preisträger-Duo gemeinsam für seine Maßnahmen zur Förderung des Mittelstands ausgezeichnet. In der WFK – Wirtschaftsförderungsgesellschaft Stadt und Landkreis Kaiserslautern – arbeiten die Stadt und der Landkreis Kaiserslautern bereits seit Jahren unter einem Wirtschaftsförderungs-Dach zusammen. Kaiserslautern und sein Umland werden dabei als eine Region begriffen, die es als Ganzes voranzubringen gilt. Mit einem umfassenden Repertoire an Wirtschaftsförderungsinstrumenten überzeugte die interkommunale Bewerbung der Stadt und des Landkreises Kaiserslautern. Das Einsetzen zweier Mittelstandslotsen, die Durchführung von Baukonferenzen, die Einrichtung einer festen Anlaufstelle für die Unternehmen als One-Stop-Agency, sind Beispiele für mittelstandsfreundliche Aktivitäten in der Region Kaiserslautern. Vor allem die Aktivitäten zur Profilierung der Region Kaiserslautern als wichtigen Technologie- und IT-Standort wurden von der Jury positiv bewertet. Über die Technologiebotschafter, die an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten, wird sowohl regional als auch überregional für den Technologiestandort Kaiserslautern geworben. Lobenswert hervorzuheben sind auch die Aktivitäten des Vereins ZiRKL (Zukunft im Raum Kaiserslautern) im Kontext der Unterstützung von zugezogenen Fachkräften und ihren Familien beim beruflichen und privaten Neuanfang.
Fokus „Bestandspflege“: Kreisfreie Stadt Landau in der Pfalz
Nachdem die Stadt Landau bereits 2008 den Sonderpreis für „Schnelle Genehmigungsverfahren“ erhalten hat, sah die Jury im diesjährigen Wettbewerb die Bestandspflege der Stadt als prämierungswürdig an. Die Stadtverwaltung Landau versteht sich dabei als Partner der Wirtschaft, der stets ein offenes Ohr für die Belange der Unternehmen vor Ort hat. In Landau wird ein enger Dialog zwischen den Unternehmen und der Verwaltung gepflegt und bei wichtigen wirtschaftsrelevanten Entscheidungen das Gespräch mit den Unternehmen vor Ort gesucht: Regelmäßige Unternehmensbesuche, Gewerbegebietstreffen, Abstimmungsgespräche bei größeren Baumaßnahmen sind nur einige Aktivitäten der Stadt Landau in diesem Bereich. Besonderes Highlight sind die Landauer Wirtschaftswochen, als Informations- und Kommunikationsplattform, auf der sich die Unternehmen untereinander, sowie mit der Verwaltung zu aktuellen, die Wirtschaft der Stadt betreffenden Themen austauschen können. Das in die Wirtschaftswochen integrierte Regionalforum „Wissenschaft trifft Wirtschaft“, als Treffpunkt zwischen Unternehmen, Hochschul- und Verwaltungsvertretern, liefert zudem einen wichtigen Beitrag zu Intensivierung des Wissenstransfers zwischen Hochschule und lokalen Unternehmen. Technologie- und Wissenstransfer sind in der Stadt Landau ebenso wichtig wie Hilfestellungen zur Bewältigung des Fachkräftemangels vor Ort. Gerade aus Unternehmenssicht wurde die Mittelstandsfreundlichkeit – und hier vor allem die Bestandspflege – besonders hervorgehoben, und dies auch bei einer Befragung von zufällig ausgewählten Unternehmen am Standort. Im Rahmen dieser durchgeführten Befragung erhielt die Stadt Landau Bestnoten.
Fokus „Standortmarketing“: Kreisfreie Stadt Speyer
Für ihre mittelstandsfreundlichen Verwaltungsstrukturen wurde die Stadt Speyer bereits in den vergangenen Wettbewerbsrunden ausgezeichnet. Auch in der diesjährigen Wettbewerbsrunde konnte Speyer wiederum überzeugen: Unter allen Kommunen wurde sie von den meisten Unternehmen vorgeschlagen – gleichzeitig erhielt sie Bestnoten in wichtigen Kategorien. Diese gute Bewertung erfolgte insbesondere auch im Bereich Standortmarketing sowohl von den vorschlagenden Unternehmen als auch in der so genannten Kontrollgruppe zufällig ausgewählter und befragter Unternehmen. Im diesjährigen Wettbewerb erhält Speyer deshalb den Sonderpreis in der Kategorie Standortmarketing. Als besonders positiv bewertete die Jury, dass es der Stadt Speyer vorbildhaft gelinge, die bereits hohe Attraktivität der Stadt durch gezielte Maßnahmen ständig weiter zu verbessern. Es erfolge ein kontinuierliches Event-Management zur Imageverbesserung und eine gute Gewerbeflächenvermarktung. Speyer pflegt dabei einen engen Dialog zwischen der Verwaltung und der lokalen Wirtschaft. Der breite Eventkalender und die touristischen Aktivitäten und Attraktivität Speyers tragen ebenso zur regionalen und überregionalen Vermarktung des Wirtschaftsstandortes bei wie die aktive Netzwerkarbeit – insbesondere im Rahmen der Metropolregion Rhein-Neckar. Als Fundament und Orientierung der Aktivitäten im Bereich Standortmarketing dient dabei das Leitbild der Stadt.
Ideenkonzept „Standort-Pool“ der Verbandsgemeinde Eisenberg im Donnersbergkreis
Der Ideenreichtum in der Wirtschaftsförderung, der die Verbandsgemeinde bereits in den vergangenen Jahren zu einem der Preisträger des Wettbewerbs gemacht hat, setzt sich auch in dem eingereichten Ideenkonzept weiter fort. Die Verbandsgemeinde Eisenberg verknüpft in ihrem Ideenkonzept „Standort-Pool“ bestehende und neue innovative Ansätze zu einer ganzheitlichen Strategie zur Stärkung der Fachkräftebasis der Unternehmen vor Ort. Gerade im Kontext der demografischen Entwicklung hat die Jury das Projekt als prämierungswürdig erachtet. Die Alterung der Bevölkerung und Abwanderungstendenzen lassen die erwerbsfähige Bevölkerung in vielen ländlichen Gebieten in Deutschland und Rheinland-Pfalz in Zukunft weiter schrumpfen. In diesem integrierten Ideenkonzept vereint die Verbandsgemeinde Eisenberg sowohl Maßnahmen zur Sicherung des Arbeitskräfte- bzw. Fachkräftebedarfs, zur Aus-, Fort- und Weiterbildung von Arbeitskräften sowie wichtige gesundheitserhaltende Maßnahmen. Einzelprojekte des Standort-Pools sind die Job- und Ausbildungsinitiative, die Hilfestellungen bei der Vermittlung von Arbeitsplätzen gibt, sowie der Aus- und Weiterbildungsverbund als Kooperation zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zum Zwecke der Arbeitskräftequalifizierung. Damit Arbeitnehmer länger fit bleiben, betreibt die VG Eisenberg im Rahmen ihres Gesundheitsmanagements „Gesundheitsprophylaxe“ und unterstützt die Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor Ort durch Informations- und Aufklärungsangebote. Die Jury überzeugte insbesondere die Verknüpfung von bestehenden und neuen Elementen dieses Standortpools und die damit verbundenen umfassenden Betreuungs- und Servicedienstleistungen für den Mittelstand vor Ort. Die VG Eisenberg geht aktuelle Leitthemen wie den demografischen Wandel oder den herrschenden Fachkräftemangel proaktiv an und entwickelt individuelle – auf die Region zugeschnittene Konzepte mit Vorbildfunktion für andere Kommunen dieser Größenordnung.
Ideenkonzept „Dienstleistung aus einer Hand“ der Verbandsgemeinde Flammersfeld im Landkreis Altenkirchen
Die Verbandsgemeinde Flammersfeld richtet die Wirtschaftsförderung in der Verbandsgemeinde derzeit neu aus. „Wirtschaftsförderung aus einer Hand“, der Titel ihres Ideenkonzeptes, trifft den Kern des Wettbewerbs, die Wirtschaftsförderung in institutionelle Bahnen zu lenken. Dies passiert gerade in der VG Flammersfeld durch das Einsetzen eines Kümmerers, der den Unternehmen als kommunaler Mittelstandslotse in allen Belangen zur Seite steht. Hierzu wird ein eigener Fachbereich „Regionalmanagement, Wirtschaftsförderung, Tourismus und Kultur“ geschaffen. Das Aufgabenspektrum reicht dabei von einer attraktiven Standortpolitik mit kommunalspezifischen Strategien und einer umfassenden Betreuung im Genehmigungsprozess, über ein aktives Gewerbeflächen- und Leerstandsmanagement bis hin zu Maßnahmen zur Clusterbildung. Dabei steht der enge Dialog mit den ansässigen Unternehmen stets im Vordergrund. Die Jury belohnt das vorbildhafte Engagement der Verbandsgemeinde Flammersfeld in Bezug auf die Neuausrichtung wirtschaftsfördernder Strukturen mit der Einrichtung eines kommunalen Mittelstandslotsen in einer Verbandsgemeinde mit der Auszeichnung im Rahmen des Ideenkonzeptwettbewerbs.
Ideenkonzept „EifelZeitRäume“ der Verbandsgemeinde Hillesheim im Landkreis Vulkaneifel
Innovative Konzepte waren im Rahmen des Ideenwettbewerbs gefragt. EifelZeitRäume, das Ideenkonzept der Verbandsgemeinde Hillesheim, trifft dabei den Nagel auf den Kopf. Gerade für ländliche Räume ist ein solches Projekt völlig neu, das Kreativschaffenden und Freiberuflern die Möglichkeit bietet, aus der Isolation ihres eigenen Home-office-Arbeitsplatzes zu entrinnen und die Vorzüge von informellem Austausch auf dem „Büroflur“ in Anspruch nehmen zu können. Dabei greift EifelZeitRäume das Konzept der so genannten „Co-Working Spaces“ auf und überträgt es auf die ländlichen Räume. Die Verbandsgemeinde Hillesheim beabsichtigt Kreativschaffenden und Freiberuflern Büroräume mit entsprechender Kommunikationsinfrastruktur sowie umfassenden Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, die stunden- oder tageweise angemietet werden können - so entstehen Bürogemeinschaften für Freiberufler. Als besonderer Nutzen wird dabei der Austausch zwischen den einzelnen Akteuren gesehen. Im Rahmen des Projekts EifelZeitRäume werden innovative Rahmenbedingungen für kreatives, freiberufliches Handeln geschaffen.
Informationen zum Wettbewerb gibt es im Internet unter www.mittelstandsfreundliche-kommunen.de. Zu den Facetten der Mittelstandsfreundlichkeit ist dort durch das Institut für Mittelstandsökonomie Trier (inmit) auch ein Online-Check zur Mittelstandsfreundlichkeit eingerichtet worden.
| Datum: | 26.08.2010 |
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